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 „merkwürdig“ aus Sicht der Gehirnforschung
25. Februar 2010
Merk|wür|dig <Adj.>: Staunen, Verwunderung, manchmal auch leises Misstrauen hervorrufend; eigenartig, seltsam.
Teilt man den Begriff „merkwürdig“ in „merk“ und „würdig“ entsteht eine ganz neue Bedeutung:
Merk-würdig: Würdig, gemerkt zu werden.

Je eigenartiger, seltsamer eine Situation ist, desto eher werden wir uns später daran erinnern.
Eselsbrücken, kreative Lernstrategien und Mnemotechniken nützen diesen Effekt gezielt aus.

Jetzt hat ein deutsches Forschungsteam rund um den Gehirnforscher Nikolai Axmacher die neuronale Basis für dieses Phänomen aufgezeigt.
Beim intrakraniellen EEG werden Elektroden statt außen an der Schädeloberfläche innen, direkt an den untersuchten Strukturen angebracht. So konnten gezielt Hippocampus, die Pforte in unser Gedächtnis, sowie Nucleus Accumbens, zentraler Spieler des Belohnungssystems beobachtet werden.
Den Versuchspersonen wurden nun Bilder zweier Kategorien gezeigt. Eine Kategorie diente als Hauptinput. So sahen die Versuchspersonen beispielweise hauptsächlich Gesichter. Die andere Kategorie wurde als Überraschungseffekt eingespielt. Zwischen all den Gesichtern tauchte dann etwa auf einmal das Bild eines Hauses auf. In später folgenden Gedächtnistests erinnerten sich die Versuchspersonen besser an die überraschenden Bilder.
Im heute in der Zeitschrift „Neuron“ erschienen Artikel beschreiben Axmacher und  seine KollegInnen eine mögliche neuronale Basis für diesen Effekt.
Das überraschende Element löst ein Signal im Hippocampus aus. Aus den Erinnerungen vorangegangener Eindrücke wird im Hippocampus vorberechnet, welche Situation als nächstes erwartet wird. Stimmt die tatsächlich eintretende Situation nicht mit der Vorhergesagten überein, sendet der Hippocampus etwa 200 ms nach der Überraschung ein „Neuigkeitssignal“ (novelty signal). Über eine postulierte Schlaufe zwischen Hippocampus und Nucleus Accumbens wird nun zunächst der Nucleus Accumbens aktiviert, der seinerseits etwa 500 ms nach der Überraschung ein „Merkwürdigkeitssignal“ (saliency signal) zurücksendet und so mithilfe des Botenstoffes Dopamin den Hippocampus stimuliert, die merkwürdige Situation abzuspeichern.

Referenz: Axmacher, N. (2010). Intracranial EEg Correlates of Expectancy and Memory Formation in the Human Hippocampus and Nucleus Accumbens. Neuron, Vol 65, Issue 4, 541-549